Markus Schimpp Klavier

PIANO

Markus Schimpp auf der Bühne

BÜHNE

Markus Schimpp Stummfilmpianist

MOVIE

s chimpp music.com

33 Annäherungen an die Stille


Die Idee zu den hier vorliegenden 33 Klavierstücken entstand durch einen Kompositionsauftrag für das von der Bonner Pianistin Susanne Kessel initiierte internationale Kompositionsprojekt »250 Piano Pieces for Beethoven«, anlässlich des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven im Jahr 2020. Dabei wurden 250 Komponisten aufgefordert, sich vom Leben und Werk Beethovens inspirieren zu lassen und darüber ein kurzes Klavierstück zu schreiben.

Bei der erneuten Beschäftigung mit diesem großen Komponisten fiel mir auf, wie sehr sich mein Interesse an seiner Musik von meiner Studienzeit bis heute gewandelt hat. Waren es früher die schnellen, virtuosen Sätze und großen Symphonien, sind es heute vor allem die leisen und schlichten Stellen gerade des Spätwerkes, die mich faszinieren und tief berühren. Beispielsweise höre ich nach dem Schlusssatz der Klaviersonate Op. 111 immer lange in die Stille, die durch Beethovens entrückende Musik, durch pulsierende Terzen oder nicht enden wollende Triller entstanden ist. Ich hörte oder spielte diese Stellen in Momenten, in denen ich mich nach einem heilsamen Gegensatz zum oft zeit- lich durchgetakteten und mit medialen Reizen überfluteten Alltagsleben sehnte.

Aus einem inneren Bedürfnis heraus begann ich, in diesem Sinne kurze Klavierstücke zu schreiben, die aus so wenig musikalischem Material wie möglich bestehen sollten. Schlichte Gedanken, die, bevor sie sich manifestieren, schon wieder enden, um mit dem nächsten Stück den Hörer in eine andere gedankliche Richtung zu schicken. Ich habe bewusst auf virtuose und schnelle Teile verzichtet, um eine kontemplative Stimmung zu erzeugen – quasi meine Idee eines wechselnden musikalischen Mantras, das im Idealfall beim Hören auf eine positive Weise Gedankenverlorenheit erzeugt.

Es entstanden so in zwei Arbeitsphasen »33 Annäherungen an die Stille«, die ich in einen für mich sinnvollen Ablauf gestellt habe. Manche entwickeln sich aus einem Akkord heraus, der zu Beginn im Arpeggio wiederholend gespielt wird, bis sich durch einen zarten Basston neue harmonische Möglichkeiten ergeben. Andere bewegen sich auf einer Gratwanderung zwischen konventioneller Harmonie und im pp gespielten Dissonanzen, die durch deren leises Dazumischen eine sinnliche, geradezu harmonische Färbung erzeugen. Reizvoll war für mich das Nachspüren, nach wie vielen Repetitionen Gleichförmigkeit, ja Langeweile entsteht, und wie weit sich dieses Risiko ausreizen lässt, ohne die Lust am Zuhören zu verlieren. Wann wird der Hörer mit einer kleinen Abweichung überrascht, und welche Intensität und Geschwindigkeit ergeben sich daraus bei der Interpretation?

Bei diesem Zyklus stand für mich das Weglassen, das Verzichten im Vordergrund, aber auch das Zulassen-Können. Exemplarisch sei der Schlussakkord in Des-Dur der Nr. XXIII genannt. Für manchen Fachmann vielleicht zu harmonisch, für mich jedoch ein inneres Bedürfnis.

Während des Schreibens las ich einen Bericht über Koreas Hauptstadt Seoul und die dortige Tradition, immer zum Jahreswechsel eine riesige Glocke 33 Mal schlagen zu lassen, da diese Zahl in Korea eine Glückszahl sei. So entschied ich spontan, mich auf diese Anzahl an Stücken zu begrenzen. Für mich ein schöner Gedanke, um »Yearning for Silence« zusätzlich unter einen guten Stern zu stellen.

Markus Schimpp


schimpp©2020

Diese Website verwendet Cookies. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung für Details.

OK

Setzt ein technisches Cookie, das aufzeichnet, dass Sie die Zustimmung verweigern. Es wird nicht nochmals nachgefragt werden.

Entfernt das Zustimmungscookie aus Ihrem Browser.